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Keine Stimme für DIE PARTEI!

September 4, 2017

Angesichts der – gerade in sich antideutsch apo­s­t­ro­phie­renden Kreisen – gehegten Affinität zu Martin Sonneborns Kasperprojekt DIE PARTEI, dokumentieren wir aus aktuellem Anlass einen Nicht-Wahlaufruf der Redaktion Bahamas.

Keine Stimme für DIE PARTEI!

Liebe Freundinnen und Freunde Israels und des Westens überhaupt,

einer der Hauptgründe, am 24.9. nicht zur Wahl zu gehen, liegt darin, dass Sie unter den Parteien mit Aussicht auf mehr als ein Prozent der Wählerstimmen, abgesehen von einem alternativen Wladimir-Putin-Fanclub, ausschließlich solche finden, die sich einem israelkritischen antifaschistischen Block angeschlossen haben, dessen vornehmstes Anliegen es ist, bunte Vielfalt anzupreisen und vor nationalistischem mithin braunem Gedankengut zu warnen. Diesem Block, dem rund 90 Prozent der Wählerstimmen sicher sind, gehören all Ihre coolen Freunde und Bekannten vom Nebentisch in der angesagten Kneipe im angesagten Kiez an. Die werden fundamentaloppositionell einer alles entlarvenden satirischen Anti-Partei ihre Stimme geben, die mit Lynchphantasien gegen rechts mobilisiert und landauf landab die Parole „Hier könnte ein Nazi hängen“ plakatiert.

Wenn Leute auf Plakaten eine lächelnde junge Frau im schulterfreiem Kleid neben einer unter einem schwarzen Sack mit Sehschlitz verhüllten anderen Frau abbilden und darunter schreiben: „Bunt statt braun – Gesicht zeigen“, dann kann man dagegen auch dann nichts einwenden, wenn die Urheber sich „Die Hannoveraner“ nennen und vermutlich gegen die Parole, „Hier könnte ein Kinderschänder hängen“ nichts einzuwenden hätten. Wer als Replik in antifaschistischer und natürlich satirischer Absicht der Burka-Frau einen NPD-Nazi an die Seite stellt und „Burkapflicht für Nazis – Hackfressen verdecken! Partei-Grau statt Nazi-Braun“ textet, wird mit Notwendigkeit jeden Einwand gegen die größte antinationale Bewegung der Welt vermeiden und stattdessen deren Kritiker pauschal als barbarische Staatsfeinde abmeiern. Das trifft irgendwann den von Burka-Frauen und ihren Hipsterbart tragenden Männern umstellten jüdischen Nationalstaat, der seine Grenzen schützt und im Inneren den mit ihm solidarischen Angehörigen des je aktuellen Judenmörders mit Planierraupen zurecht das Haus zerstört, aus dem das Unheil kam und bei nächster Gelegenheit wieder kommen könnte.

Liebe Freundinnen und Freunde Israels und des Westens überhaupt,

Sie alle haben im April 2017 mit Empörung die nötigenden, von tiefer Feindseligkeit erfüllten Einlassungen von Außenminister und Bundespräsident gegen Israel angesichts ihrer Staatsbesuche dort zur Kenntnis genommen. Sie alle haben mit Ekel die Verbeugung Steinmeiers vor dem mit europäischen Geldern errichteten Mausoleum eines notorischen Judenmörders gesehen und sich ganz ohne ironischen Hintersinn geschworen, wen immer Sie kennen, der es mit diesem Präsidenten und diesem Außenminister hält und deren unverhohlen deutschen Drohungen gegen den jüdischen Staat beipflichtet, die Freundschaft aufzukündigen. Sie glauben, dass sie die coolen Jungs und Mädels der lustigen Runde am Nebentisch davon ausnehmen können, wissen Sie doch, dass auch die meisten von denen „gegen jeden Antisemitismus“ und für Israel sind. Was aber machen Sie, wenn der von allen an der lustigen Runde Beteiligten angehimmelte Chef-Satiriker seinerseits den Caterpillar bemüht, wie am 25.4.17 auf Facebook geschehen, was dann so klingt: „‪Lustig, zum ersten Mal sind meine Sympathien fast überwiegend auf Sigm. Gabriels Seite… Ich würde Netanjahu mit ein paar Planierraupen besuchen, ihm das Wasser abstellen‬ und ihn ein bisschen anderweitig demütigen.“

Sie könnten sich selber ernst nehmen und der Empfehlung der Redaktion Bahamas folgen, die zuletzt 2005 einen Nicht-Wahl-Aufruf gegen einen notorischen Israel-Feind herausgegeben hat, der 1991 die irakischen Raketenangriffe auf Israel als „die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern und den arabischen Staaten“ bezeichnet hatte, ohne das je widerrufen zu haben. Während der Abgeordnete Ströbele in seiner Partei wegen dieser Aussage immerhin heftig kritisiert wurde, hat Martin Sonneborn, der Chef-Satiriker und Vorsitzende von Die Partei, seine Facebook-Worte nicht nur nicht widerrufen, mit ihm hat die gesamte coole Runde in Ihrer Stammkneipe achselzuckend geschwiegen und sich kichernd über Moralapostel von einer Insel und von anderswo mokiert, die einfach nicht lustig sein können.

Sie müssen also, wenn Sie es mit Israel und dem Westen überhaupt ernst meinen, sofort in ihrem Umfeld unter dem Motto „keine Stimme für Die PARTEI!“ agitieren, auch auf die Gefahr hin, als humorloser Spielverderber dazustehen. Tun sie es nicht, dann geben Sie sich auf, zucken mit den Achseln und machen giggelnd die jüngste Parole von Die PARTEI: „Weil ich mir egal bin.“ zu der Ihren.

(Quelle: http://redaktion-bahamas.org/aktuell/2017/09/01/keine-stimme-fuer-die-partei)

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Vortrag am 16. Juni

Mai 27, 2017

Der neue Antiamerikanismus

„Was erlauben sich eigentlich diese Amis, so einen wie Trump zu wählen?“

Die deutsche Öffentlichkeit, insbesondere die linke, ist seit gut einem Jahr dauerempört über den vermeintlichen moralischen Absturz der atlantischen Westmacht. Eine Empörung, die zugleich einen satten moralischen Mehrwert verspricht: Glauben doch mittlerweile auch jene Linken, die sich selbst für antideutsch halten, dass das anständige Merkel-Deutschland, das inmitten eines auf Austerität gepolten Europas von einer Exportbestmarke zur nächsten eilt, der wahre Hüter des Westens ist, der schließlich aus der eigenen Geschichte gelernt hat: Nation und Grenzen waren die Auslöser des Zweiten Weltkriegs.

Dieser neue Antiamerikanismus erinnert fatal an die Methoden der „Wiedergutwerdung“ (Eike Geisel) der Deutschen gegenüber den Juden. Auch sie wurden mit den Lehren aus der Geschichte konfrontiert, die die Täter von einst nun so formulierten: Frieden mit jedem, gleich ob der einem an den Kragen will, und sich bloß nicht wehren gegen erklärte Feinde, sonst werde man schließlich selbst zum Täter, so wie Hitlerdeutschland.

Als Hitlers potentieller Wiedergänger rangiert hier jeder, der dem Islam misstraut, der die neue transnationale Produktionsordnung infrage stellt, der es wagt, den abgehängten „Abschaum“ (Hillary Clinton) überhaupt als potentielle Wähler anzusprechen und nicht gleich in den Mülleimer der Geschichte zu stoßen beabsichtigt – und nicht zuletzt der, der Grenzen sichert, gerade jene Grenzen, die einen Raum möglichst angst- und gewaltfreien gesellschaftlichen Verkehrs sichern und definieren, also der, der nicht insgeheim den Ausnahmezustand herbeisehnt.

Gegen diesen neuen Antiamerikanismus wenden sich die Überlegungen von Magnus Klaue und Uli Krug. Die Redakteure der Zeitschrift Bahamas werden unter anderem die Frage aufwerfen, ob „America First“ unter heutigen Bedingungen nicht etwas ganz anderes meint als das, was die amerikanischen Rechten damals im Sinn hatten, die einst diesen Slogan aufbrachten, um eine Intervention gegen Hitlers Deutschland zu verhindern, oder ob der neue deutsche Antinationalismus im Kern nicht ebenso antiwestlich ist, wie es der alte Kulturnationalismus immer schon war.

Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue und Uli Krug.

Von Uli Krug ist unlängst „Der Wert und das Es – Über Marxismus und Psychoanalyse in Zeiten sexueller Konterrevolution“ erschienen. Magnus Klaue ist Autor von „Verschenkte Gelegenheiten“ (beide Bücher bei ça ira).

16. Juni 2017 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19:00 Uhr

Vortrag am 19. Januar

Dezember 14, 2016

Die Volkspartei des gesunden Menschenverstandes
Kritik der AfD und ihrer Gegner

Bundesjustizminister Heiko Maas, der vom Lifestyle-Magazin GQ wegen seiner „ausnahmslos perfekt“ sitzenden Anzüge 2016 zum bestangezogenen Mann in Deutschland gekürt wurde, steht nicht nur stilistisch für das bessere Deutschland. Auch seine Ansprache adressiert im ausnahmslos perfekt sitzenden neudeutschen Jargon diejenigen Landsleute, die als Werbeträger für ein unverkrampftes Deutschland gefragt sind: „Bleiben wir ein modernes und weltoffenes Land, oder werden wir eine Nation verkniffener Spießer, die ihr Heil in der Vergangenheit sucht?“

Die nationale Schicksalsfrage, die Maas via Spiegel Online ans Volk gerichtet hatte, ist im Thüringischen Jena längst beantwortet. Der Klassenprimus des Ostens gilt als eine Hochburg der Einheitsfront von Bewegungs- und Staatsantifa. Laut Selbstauskunft der lokalen Kämpfer gegen den Rechtsextremismus wird Jena nicht nur so standhaft verteidigt wie einst das von Ernst Busch besungene „Rote Madrid“, sondern strahlt gleichsam quasitherapeutisch aufs ganze Land, nämlich als „ein Ort, von dem Ermutigung ausgeht“, denn oft sei es gelungen, „Naziaufmärsche aus unserer Stadt fernzuhalten. […] Jenaer Erfahrungen im Kampf gegen den Rechtsextremismus sind in vielen Teilen der Bundesrepublik gefragt und werden geschätzt“.

Beflügelt vom Aktionsstolz, der in solchen heimatverbundenen Bewerbungsschreiben für das eigene Kaff zum Ausdruck kommt, und der Gewissheit, das Demonstrationsrecht jederzeit aushebeln zu können, gelang es, mit „tausende[n] Menschen und bunte[n] Protestaktionen“ eine angemeldete Demonstration der AfD einzukesseln und unmissverständlich klarzustellen, dass „die Zuschreibung ‚Bunt, Tolerant und Weltoffen’ für unsere Stadt mehr als eine Image-Kampagne“ ist: nämlich Klammer des Gemeinschaftsgeistes der „engagierte[n] Menschen“ im „akademischen Jena“ gegen das zum Feindbild erklärte ehemals proletarische Umland, für das nach gängiger Lesart nicht nur bei Heiko Maas die AfD und deren Wähler, die verkniffenen Spießer, stehen.

Es sind keine intellektuellen Höchstleistungen vonnöten, um zu erkennen, dass die AfD nicht wegen ihrer ideologischen Ausrichtung oder einfach deswegen angegriffen wird, weil sie darauf zielt, notorischen Futterneidern die miesesten Instinkte zu entlocken. Das Establishment der Berliner Republik bekämpft im Schulterschluss mit der Antifa die AfD als Partei der Ewiggestrigen und Abgehangenen, die beim permanenten Flottmachen im Dienste des Kapitals als potentielle Hemmnisse beunruhigen. Die Zurückgebliebenheit der Krethis und Plethis aus entvölkerten Landkreisen wird zum Anlass genommen, ganz Deutschland auf Trab zu bringen: Wenn ihr euch „physisch, ökonomisch und zeitgeistig“ nicht anstrengt, endet ihr wie die Loser von der AfD, so die unverhohlene Botschaft.

Der sogenannte kleine Mann firmierte hierzulande bis auf wenige Ausnahmen − man denke an Wilhelm Reichs „Rede an den kleinen Mann“ oder Hans Magnus Enzensbergers Gedicht gegen den „mann in der trambahn“ – stets als heiß umworbene Schwungmasse aller politischen Fraktionen und insbesondere für die Linken als potentieller Verbündeter, von dessen Hässlichkeit man nichts wissen wollte. Das scheint sich zu ändern, der kleine Mann und die kleine Frau werden längst nicht mehr nur umschmeichelt, sondern ziehen zunehmend die Ungeduld und den Zorn der modernen und weltoffenen Deutschen auf sich. Der Widerspruch gegen die bornierte Aggressivität der kleinen Männer und Frauen auf dem Wutbürgertrip ist dabei mitunter so autoritär wie deren Gestus des gesunden Menschenverstandes.

Gegen die AfD, die als Partei der kleinen Männer und Frauen triumphiert, hat sich der bessere Teil der Landsleute zur Antifaschistischen Aktion Deutschland zusammengeschlossen und führt sich seit Monaten auf, als bestünde die Gefahr, dass man morgen schon gegen den aufziehenden Faschismus an die Gewehre müsste. Was beim ganzen Nazipopanz jedoch auf der Strecke bleibt, ist eine einigermaßen realistische Einschätzung der neuen Problempartei. Ihr Erfolg basiert darauf, dass sie den in der infantilisierten Gesellschaft sich ausbreitenden Typus des streitsüchtigen und zunehmend enthemmt agierenden Narzissten mit den passenden Sprüchen im Glauben bestärkt, zu den betrogenen Durchblickern zu zählen.

Ihre größte Fanbase hat die AfD nach wie vor im Osten, wo das Bedürfnis, konformistisch zu rebellieren, besonders hoch ist und wo anscheinend mehr Menschen leben, die sich nicht einmal dafür schämen, öffentlichen Veranstaltungen beizuwohnen, auf denen ein schrulliger Gymnasiallehrer wie Björn Höcke sich in abstrusen Biologismen und peinlich komischem Männlichkeitskitsch ergeht.

Im Osten wetteifert die AfD mit der Linkspartei um das volksnaheste Heimatschutzprogramm und hat gegenüber der parteipolitischen Konkurrenz den Vorteil, den fremdenscheuen Ossi mit Ausländer-Raus-Sprüchen umschmeicheln zu können, ohne parteiintern Widerspruch zu provozieren.

Zum Lieblingsfeind der modernen Deutschen wurde die AfD jedoch, weil sie den Islam nicht ausnahmslos als beglückende Bereicherung betrachtet, sondern auf die Scheußlichkeiten hinweist, die die islamistischen Propagandisten und politisierenden Moslems in ihren Einflussbereichen anrichten. Würden die im Bundestag vertretenen Parteien unterdessen den Islam nicht in fortgeschritten realitätsverleugnender Weise andauernd schönreden, dann wäre die AfD nicht so stark wie sie es aktuell ist – denn dann könnte die Partei nicht damit auftrumpfen, die einzige zu sein, die zum Islam zuweilen nicht nur die übliche Portion zynischen Kulturrelativismus abliefert.

Vortrag und Diskussion mit den Bahamas-Autoren David Schneider und Mario Möller.

19. Januar 2017 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19:00 Uhr

Vortrag am 17. Dezember

November 30, 2015

Das letzte Gefecht
25 Jahre „Nie wieder Deutschland!“

„Nie wieder Deutschland!“ – Unter diesem Motto mobilisierte die außerparlamentarische Linke vor 25 Jahren, im Mai 1990, strömungsübergreifend auf den Frankfurter Opernplatz, um gegen die deutsche Wiedervereinigung zu protestieren. 20.000 Menschen folgten dem Aufruf. Wenige Monate später war diese ungewohnte Harmonie vorbei: Es brachen jene Konfliktlinien auf, an denen sich die außerparlamentarische Linke in den nächsten beiden Jahrzehnten gruppieren sollte. In personeller Hinsicht fiel man in die Bedeutungslosigkeit. Gruppierungen, die seit mehr als zwanzig Jahren bestanden hatten, lösten sich auf; die Linke geriet in eine der größten Krisen ihrer Geschichte. Dieser Umstand verwundert zunächst. So hatten APO und Co. dem Honecker-Regime und den anderen Staaten des „real existierenden Sozialismus“ in der Regel kritisch bis feindselig gegenübergestanden. Es stellt sich damit die Frage, warum die außerparlamentarische Linke ausgerechnet durch das Ende der DDR, die deutsche Wiedervereinigung und den Untergang des Ostblocks in einen Schockzustand fiel. Und: Warum hat sie sich auch heute, mehr als ein Vierteljahrhundert später, noch nicht von diesem Schock erholt? Um hierauf antworten zu können, ist sowohl ein Blick auf die Zeit des Kalten Krieges als auch eine Auseinandersetzung mit jenen drei Begriffen nötig, die nach wie vor im Zentrum des linken Selbstverständnisses stehen: Revolution, Antifaschismus, Antiimperialismus.

Vortrag und Diskussion mit Jan Gerber.

Jan Gerber ist Autor des Buches Das letzte Gefecht – Die Linke im Kalten Krieg (XS-Verlag 2015), welches im Vortrag auch vorgestellt werden soll, sowie des Titels Nie wieder Deutschland? – Die Linke im Zusammenbruch des realen Sozialismus (ça ira 2010).

17.12.2015 Universität Jena, Hörsaal 8 // 19 Uhr

Vortrag am 26. Juni

Mai 29, 2015

Integration in weltbürgerlicher Absicht
Ein Plädoyer für das bürgerliche Recht

„Der Islam gehört zu Deutschland“. Für dieses Statement attestierte der Freitag dem Ex-Bundespräsidenten Wulff und der Kanzlerin Merkel eine „kosmopolitische Beherztheit“. – Würden sie damit doch nur die Realität anerkennen.

Höchstrichterlich stimmte das Bundesverfassungsgericht in diesen Tenor ein, indem es der Beschwerde zweier muslimischer Frauen gegen deren Kündigung aus dem Schuldienst auf Grund des Tragens eines Kopftuches stattgab und feststellte, „dass ein pauschales Verbot religiöser Bekundungen in öffentlichen Schulen (…) gegen das Verbot der Benachteiligung aus religiösen Gründen“ verstoße und dass „nicht nur eine abstrakte, sondern eine hinreichend konkrete Gefahr der Beeinträchtigung des Schulfriedens oder der staatlichen Neutralität ausgehen muss, um ein Verbot zu rechtfertigen“. Eine Gefährdung der offenen Gesellschaft, so Volker Beck (Grüne) zustimmend, ginge nicht von Lehrerinnen und Lehrern aus, die ihren Glauben sichtbar bekundeten, sondern von jenen, „die Vielfalt bekämpfen“. Für die Generalsekretärin des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), Nurhan Soykan, ist ausgerechnet dieses Urteil ein „richtiger Schritt, weil es die Lebenswirklichkeit muslimischer Frauen in Deutschland würdigt (!) und sie als gleichberechtigte Staatsbürger (!!) am gesellschaftlichen Leben partizipieren lässt“ – als würde dieses Urteil nicht all jenen in den Rücken fallen, die nicht als gänzlich befangene Zwangsmitglieder „ihrer“ Kulturhorde, sondern als Einzelne und Freie ihr Glück jenseits von volksgemeinschaftlichem Terror suchen wollen.

Die ganze Debatte zum Umgang mit dem Islam rührt jedoch an einer grundsätzlichen Frage: der Integration von Migranten und Flüchtlingen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, Flüchtlingen die Chance auf ein besseres Leben zu verweigern und der Parole „Bleiberecht für alle!“ lässt sich mehr abgewinnen als Versuchen, Fluchtursachen fein säuberlich in (legitime) politische und (verwerfliche) wirtschaftliche Gründe zu trennen.

Wer A sagt, also „Refugees Welcome“, wird um die Frage B, nämlich die nach der Integration, nicht herumkommen: Es gilt, Doppelstandards nach den Maßgaben autoritärer Parallelgesellschaften – wofür maßgeblich, aber nicht ausschließlich, die islamischen Communities stehen – zu verhindern. Voraussetzung dafür wäre, dass eine Gesellschaft die universellen Maßstäbe des Westens, an denen sich die Einzelnen in ihrem täglichen Leben sehr wohl orientieren, zu ihrer Sache macht und gewillt ist, diese selbstbewusst durchzusetzen. Das wäre notwendig mit der Einsicht verbunden, dass „Vielfalt“ und „Anderssein“ ausschließlich als private Vorlieben, die ihre Grenzen am bürgerlichen Recht erfahren, zu gelten hätten und niemals als Gemeinschaftseigenschaften. Denn so merkwürdig es auch klingen mag: In nicht-revolutionären Zeiten ist der Restbestand von Vernunft, der überdauert hat, nicht auf den Demonstrationen irgendwelcher Globalisierungsgegner anzutreffen und schon gar nicht bei den Dresdner Freunden der abendländischen Kultur, sondern im unpersönlichen Getriebe der Rule of Law.

Vortrag und Diskussion mit Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas).

26.06.2015 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19 Uhr

Tagesseminar Psychoanalyse

August 31, 2014

Wir werden gelebt
Über das Verhältnis der Freudschen Trieblehre zur materialistischen Gesellschaftskritik

Die Psychoanalyse Freuds seziert den seelischen Haushalt des Individuums in der spätkapitalistischen Gesellschaft: “Wir sind nicht Herr im eigenen Hause.” Zugleich wird jedoch der Regression des Individuums zum Massenwesen die Reflexion entgegengehalten: “Wo ES war soll ICH werden, ist also der Leitspruch der Psychoanalyse.” Die Menschen wähnen sich frei, sind aber in ihrem Denken, Handeln und Wünschen von unbewußten Impulsen bestimmt. Diese Determination wird in der Trieblehre ihrerseits naturalisiert, was sich insbesondere an der Lehre vom Todestrieb zeigt. Daher wird Freud häufig vorgeworfen, den Menschen auf ein reines Triebwesen zu reduzieren: Er habe “die Gesellschaft” vergessen, seine Lehre sei daher soziologisch zu ergänzen – ein Vorwurf der jedoch am Begriff des Triebes, der nicht als biologischer Instinkt, sondern als geschichtsphilosophische Konzeption zu interpretieren ist, völlig vorbeigeht. Und auch die Einwände der sog. empirischen Psychologie verfehlen den Kern der Freudschen Lehre. Denn gerade an seiner Trieblehre läßt sich verdeutlichen, daß Freud das Individuum als zugleich natürliches und gesellschaftliches Wesen kennzeichnet, als ein Wesen, daß gerade dort, wo es gesellschaftlich ist, natürlich, und wo es natürlich ist, gesellschaftlich agiert. Die Behauptung, daß der Mensch nicht biologisch, sondern gesellschaftlich bestimmt sei, kommt soziologisch denkenden Menschen (namentlich “Linken”), allzuleicht über die Lippen. Sie verkennen, daß er als gesellschaftliches vielmehr ein ungesellschaftliches und als natürliches gerade ein unnatürliches Wesen ist. Den Begriff des Triebes aus Freuds Lehre zu eliminieren, bedeutet, seine Lehre ihrer gesellschaftskritischen Intention, damit ihrer Wahrheit zu berauben.

Tagesseminar mit Martin Dornis (Leipzig), Autor u.a. von Der Meister aus Deutschland – Zur Kritik der Ideologie des Todes, in: Gruber/Lenhard (Hg.): Gegenaufklärung – Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft.

Das Seminar findet am Samstag, den 27.09.2014 in Jena statt. Beginn: 12 Uhr.

Nähere Informationen zum Veranstaltungsort sowie den Link zum Seminar-Reader erhaltet ihr nach Anmeldung bis zum 20.09. unter apdtjena@yahoo.de.

Flugblatt zum Gaza-Gedenken

Juli 31, 2014

Am 30. Juli luden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Lehrstuhls für Sozialpsychologie an der FSU Jenaer Studenten und Bürger zum „gemeinsamen Gedenken der Toten in der Gaza-Region“ ein. Unter dem Motto „Wir können das Töten von Jena aus nicht beenden“ wurden Kerzen angezündet und „Beileidsbekundungen in Form von Briefen, Karten oder Blumen“ getauscht.

Die Ankündigung und ein Zeitungsinterview zeigten, was die zivilgesellschaftlichen Jung- und Altwissenschaftler umtreibt: eine abstrakte Friedenssehnsucht, die sich in falscher Äquidistanz übt und bereits einen oberflächlichen Vergleich der Parteien scheut. Die dabei bemühte hochnotpeinliche Versöhnungsrhetorik missachtet ihre konkrete Implikation – nämlich, dass Israel mit seinen Todfeinden über die Bedingungen der eigenen Abschaffung verhandelt. Die APDT kam nicht umhin, diesem Treiben mit einem Flugblatt zu begegnen.

Vor Ort konnten wir uns dann davon überzeugen, dass den studierten Sozialpsychologen jeder kritische Begriff von der eigenen Wissenschaft abhanden gekommen und ihr Engagement somit längst zur Therapie in Permanenz für alle Beteiligten geworden ist.

SIE KÖNNEN DAS TÖTEN STOPPEN!

Sie sind heute Abend der Einladung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Lehrstuhls für Sozialpsychologie der Universität Jena gefolgt, um sich genau wie die Einladenden darüber zu versichern, dass Sie „das Töten von Jena aus nicht beenden“ können und dass die Frage im Raum steht, welchen Einfluss man als ohnmächtiger Jenaer Freund der Zivilgesellschaft auf der großen Bühne des Weltgeschehens im Nahen Osten hat. Diese Frage ist glücklicherweise dergestalt entschieden, dass Sie ihre pazifistischen Ressentiments nur auf Jenas Straßen austoben und dies keine Auswirkungen auf die Verteidigungsfähigkeit Israels hat.

Doch wir setzen voller Optimismus auf ihre Lernfähigkeit, und die scheinbar verzwickten Dinge liegen oftmals einfacher, als Sie denken. Wir wollen uns also nicht weiter mit der müßigen Frage aufhalten, warum Sie für über 150.000 Tote in Syrien keinen Gedenkabend veranstalten, wieso die tausenden von dschihadistischen Mörderbanden im Irak, in Nigeria und in Somalia Abgeschlachteten für Sie höchstens eine Randbemerkung darstellen, wieso die ungezählten im Mittelmeer ersoffenen Flüchtlinge Ihnen keine Kerze der Betroffenheit entlocken. Stattdessen wollen wir Ihnen ein paar konstruktive Vorschläge mit auf den Weg geben.

Ein erster Schritt wäre, dass Sie ihre Friedenssehnsucht zu den Akten legen und sich der Gewissheit entledigen, wonach Israels bewaffnete Selbstverteidigung gegen die Vernichtungswünsche und -taten seiner vom Antisemitismus getriebenen Feinde die größte Gefahr für den Weltfrieden sei. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Hamas, die die palästinensische Bevölkerung in Geiselhaft nimmt, zerschlagen wird – und nicht etwa für eine Waffenruhe, die den Terrorbanden lediglich zur Auffüllung ihrer Waffenlager dient! Erheben Sie ihre Stimme, damit Fördergelder der EU nicht dafür verwendet werden, dass in palästinensischen Schulbüchern zur Vernichtung des jüdischen Staates aufgerufen wird!

Nehmen Sie den Slogan „think global, act local“ einfach Ernst und richten Sie ihr Augenmerk auf den Oberbürgermeister Albrecht Schröter, der Ihnen als antifaschistischer Leithammel gegen Rechtsextremismus bestens bekannt sein dürfte. Durchbrechen Sie ihre Denkblockade und besetzen Sie zahlreich Wahllokale, Straßen und Plätze, um zu verhindern, dass dieser „Entscheidungsträger“, der sich an einer Konferenz beteiligte, die Fatah und Hamas als „Partner für den Frieden“ zurecht log und der unter Verweis auf antizionistische Alibijuden zum Boykott israelischer Waren aufruft, zur nächsten Wahl wieder als Sieger vom Platz geht! Das wäre ihr ganz persönlicher Beitrag dazu, pazifistische Fürsprecher der palästinensischen Sache, die der Fatah nach die „vollständige Befreiung von Palästina und die Ausrottung der zionistischen wirtschaftlichen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz“ zum Gegenstand hat, aus dem politischen Verkehr zu ziehen.

So lange es auf Seiten der Palästinenser keine ernstzunehmenden politischen Kräfte gibt, die sich diesem offen propagierten Vernichtungsprogramm widersetzen, so lange bedeutet jede Verhandlungsaufforderung an Israel, jeder Ruf nach Frieden also, die mehr oder weniger offene Kollaboration mit dem antisemitischen Terror, der wiederum all die Toten, derer Sie heute gedenken, zu verantworten hat.

Sollten Sie den Wunsch verspüren, einen ganz persönlichen Beitrag dafür zu leisten, dass in Gaza und den Autonomiegebieten andere wünschenswerte Perspektiven für Kinder und Jugendliche als die des Berufspalästinensers denkbar werden, was eine Zerschlagung der antisemitischen Terrorbanden zur Voraussetzung hätte, so geben Sie all Ihre Ersparnisse den israelischen Streitkräften.

Association Pomme de Terre / Jena, 30. Juli 2014