Skip to content

Für den Feminismus

April 18, 2018

Im Folgenden dokumentieren wir ein Flugblatt der »AG No Tears for Krauts«, das am 14.04.2018 auf der Demonstration „konsequent. feministisch. antifaschistisch. – Kick them out! Nazizentren dichtmachen!“ in Halle (Saale) verteilt wurde.

Für den Feminismus.

Liebe Teilnehmer der heutigen Demonstration,

mal Hand auf‘s Herz: Kommt es Euch nicht auch etwas lächerlich vor, auf eine feministische Demonstration zu gehen, die sich gegen die Identitären richtet? Oder gar verlogen? Anscheinend nicht, denn ansonsten wärt Ihr zuhause geblieben, anstatt Euch hier bei einem Protest gegen ein Dutzend Flachpfeifen, die ohnehin niemand zu mögen scheint, als ehrenwerte Verteidiger des Feminismus aufzuspielen.

Marsch der Begrifflosen
Man kann den Leuten von der Identitären Bewegung (IB) einiges vorwerfen. Ihre Mitglieder sind gewaltaffin, sie haben ein Faible für faschistische Ästhetik (Seitenscheitel, Fackelmärsche) und sie träumen von ethnisch homogenen Gemeinschaften. Vor allem aber sind sie fremdenfeindliche Arschlöcher, die ein halbwegs geschicktes Händchen haben, Aufmerksamkeit zu erregen. Dass ihnen das in der letzten Zeit so gut gelang, dazu habt allerdings auch Ihr beigetragen. Denn anstatt die Identitären aus der Adam-Kuckhoff-Straße einfach als unangenehme Nervensägen zu behandeln, wart Ihr wackeren Antifaschisten Euch nicht zu blöde, sie zu einer Gefahr für alles Mögliche zu stilisieren. Und nun soll es das Frauenbild dieser Handlampen sein, das der befreiten Gesellschaft im Weg steht, von der im Aufruf die Rede ist?

Wie kommt Ihr überhaupt darauf, dass die IB sonderlich sexistisch sei? Deren weibliche Protagonisten treten sehr selbstbewusst und nun wahrlich nicht als die »Heimchen vom Herd« auf. Uns sind auch keine Verlautbarungen der Identitären bekannt, die diese als üble Sexisten überführen. Gewiss, wir sind nicht die Nazi-Experten wie Ihr. Aber so ganz haut Euer Vorwurf nicht hin. Die Identitären haben sicherlich ein traditionelles Frauenbild. Aber das ist weder dezidiert sexistisch noch unterscheidet sich das wesentlich von anderen Milieus wie den Fans vom Halleschen Fußballclub, den Ammendorfer Sportkeglern oder dem Frauenyogakurs im Iris-Regenbogenzentrum.

Mit Begriffen scheint Ihr es ohnehin nicht so genau zu nehmen. Die ständig wiederholte Behauptung, dass die Identitären durchweg Nazis seien, ist zudem nicht ganz richtig. Weder beziehen sie sich positiv auf den Nationalsozialismus noch teilen sie dessen ideologischen Kern, den zur Vernichtung drängenden Antisemitismus. Wir wollen Euch jetzt an dieser Stelle nicht mit Theorie behelligen – schließlich seid Ihr ja hier, um gegen fiese Nazischweine zu demonstrieren. Aber worin bitteschön äußern sich solche Vernichtungswünsche bei der IB? Das Verschwörungsdenken dieser Leute unterscheidet sie jedenfalls nicht von Attac und Co., deren Mitglieder Ihr natürlich niemals als Nazis bezeichnen würdet. Und bitte kommt jetzt nicht mit »Ethnopluralismus«. Der Begriff, den Ihr gerne anführt, um die IB’ler als besonders schlimme Rassisten auszuweisen, taugt nicht einmal dazu, die Neue Rechte mit ihrem Traum von einem Fest der Völker von der Neuen Linken mit ihrer Freude am Karneval der Kulturen abzugrenzen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Wir mögen die Jungs und Mädchen mit ihrem penetranten Hang zur Selbstüberschätzung auch nicht. Uns liegt nichts daran, sie zu verteidigen. Es spricht nichts dagegen, sie in die Schranken zu weisen – erst recht, wenn sie anfangen Leute zu bedrohen.

Aber wir finden Eure Schaumschlägerei gegen diese paar Trottel hochnotpeinlich. Euch fällt gar nicht auf, wie sehr Ihr selbst zu den Handlangern einer Politik geworden seid, der es nur noch um das reine Gewissen geht. Anwohnerinitiativen, Stadtrat, Stura und Universitätsleitung geben Statements gegen die Identitären ab, die Euren Äußerungen gar nicht so unähnlich sind. Den Deppen von der IB scheint das große Heer Antifaschisten jedweder Couleur, in das Ihr Euch hier eingereiht habt, ganz recht zu kommen. Würde es sie nicht geben, Ihr müsstet sie erfinden. Heute geht Ihr mit Hunderten auf die Straßen. Wenn es aber nicht deutschstämmige Nazis sondern Migranten sind, die, wie am 16. Dezember vergangenen Jahres, eine Demonstration abhalten, die offener antisemitisch ist als jeder Aufmarsch der Brigade-Suffnazis aus der hallischen Silberhöhe, dann bleibt ihr zuhause.

Selbstvergewisserung statt Feminismus
Ist es möglich, dass es Euch auch beim Thema Feminismus gar nicht so sehr um die Identitären geht, sondern eher um Euch selbst? Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, dass Eure Beißreflexe gegenüber dem »Nazizentrum« in erster Linie einer Vermeidung dienen? Wenn Ihr Euren Lieblingsfeinden unbeirrbar Sexismus und Rassismus unterstellt, braucht Ihr Euch gar nicht erst die Frage zu stellen, ob sie an dem einen oder anderen Punkt nicht vielleicht doch Recht haben. Gewiss, sie sind Fremdenfeinde und interessieren sich für sexuelle Übergriffe nur dann, wenn sich Migranten als Täter finden. Aber stimmt es vielleicht nicht sogar, dass das Frauenbild autochthoner Männer bei weitem nicht das Schlimmste ist, was der Markt derzeit hergibt? Und ist es nicht möglicherweise wahr, dass Übergriffe gegen Frauen schneller bagatellisiert werden, wenn sie von Zugezogenen begangen werden? Ist es nicht auch in linken Läden so, dass es bei sexuellen Belästigungen durch einen Nicht-Deutschen aus Rücksicht auf seinen »kulturellen Background« weitaus länger dauert, bis er eine Backpfeife bekommt als bei einem deutschen Proll?

Ihr ahnt sicherlich, was jetzt kommt: Ein durchaus beträchtlicher Teil des vom Islam geprägten Milieus – sowohl frisch zugewandert als auch Teile der schon länger hier lebenden Moslems – ist der Ansicht, dass Frauen sich den Männern zu fügen haben. Die Verführungskraft weiblicher Sexualität und deren vermeintlicher Ausdruck – Haare, Arme, Körperlichkeit etc. pp. – wird von Anhängern des Propheten Mohammed als Bedrohung empfunden, die durch Verhüllung zu bannen sei. Harām gekleidete Frauen werden als »Schlampen« bzw. legitime Beute gesehen, was sich immer wieder in sexueller Gewalt entlädt. Wir wissen, Ihr werdet nicht gerne an die Kölner Silvesternacht erinnert. Und falls doch, antwortet Ihr reflexartig mit »Oktoberfest«. Euch ist keine Verrenkung zu blöd, um über das Frauenbild des Islams nicht sprechen zu müssen.

Und? Merkt Ihr etwas? Springt bei diesen Worten Euer Rechtspopulismusradar an? Es hat sich nämlich – insbesondere seit Pegida, AfD und IB ihren nur halbherzig verschleierten Fremdenhass als »Islamkritik« verkaufen – eingebürgert, dass jede Kritik am Islam und dessen Zumutungen abgewehrt wird, indem man jenen, die diese aussprechen, Rassismus vorwirft. Dabei müssten Feministen gerade hier besonders laut aufschreien. Im Aufruf wird stattdessen die Frauenverachtung »islamischer Fundamentalisten« erwähnt, die eine »ideologische Gemeinsamkeit« mit der IB begründen würde. Ihr tut damit alles, um den strukturellen Sexismus im Islam in jeglicher Hinsicht zu relativieren. Denn was hat bitteschön das konservative Rollenbild, dem die Identitären möglicherweise nachtrauern, mit der Lebenswirklichkeit unzähliger Frauen zu tun, die das Haus nur verschleiert verlassen dürfen, sich daheim aber jederzeit für ihren Mann zur Verfügung stellen sollen? Mit jenen jungen Frauen, die permanent einen ihrer Brüder an der Seite kleben haben, damit bloß keine Schande über die Familie kommt? Die ihren Kampf um individuelle Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung meist verlieren und im schlimmsten Fall umgebracht werden?

Es ist übler Zynismus, wenn im Aufruf von einer »gesamtgesellschaftlichen Frauenverachtung« gefaselt wird. Frauen haben in westlichen Gesellschaften nahezu die gleichen Chancen und Rechte wie Männer. Sie können ihren Wunschberufen nachgehen, in manchen Gegenden verdienen sie inzwischen aufgrund ihrer höheren Qualifikation sogar mehr als Männer, und in Halle sind Frauen unter den Studenten in der Überzahl. Und während sie im Islam dem Gutdünken und der Willkür der Männer ausgesetzt sind, werden hier Übergriffe auf ihre (sexuelle) Selbstbestimmung gesellschaftlich verurteilt und geächtet.

Doch ihr Paradefeministen differenziert und vergleicht solange, bis das Problem nicht mehr wiederzuerkennen ist. Gegen Euch ist jeder Feminismus zu verteidigen, der sich nicht scheut, den größten Agenten der Frauenunterdrückung in Deutschland zu benennen, ohne nebulös herumzueiern und von »religiösen Strukturen« zu schwadronieren.

Also, liebe Demonstranten, nehmt es uns nicht übel. Aber: Ihr seid Teil des Appeasements gegenüber dem Islam und verratet all jene Frauen und Homosexuelle, die täglich unter den Zumutungen des Islam zu leiden haben. Ihr betreibt nur dümmliche Selbstvergewisserung, wenn Ihr in Eurem Aufruf auch Konservative für ihr traditionalistisches Rollenbild anklagt, als wären sie inzwischen nicht diejenigen, die noch am beharrlichsten individuelle Freiheiten gegenüber dem Islam und seinen linken Freunden verteidigen. Eure Indifferenz gegenüber der Zerstörungswut des Islam ist für das gesellschaftliche Zusammenleben gefährlicher als die ohnehin einflusslosen Mitglieder einer rechten PR- Sekte. Mit Euch lässt sich kein Feminismus machen!

– Kickt Euch!

Eure »No Tears for Krauts«

Advertisements

Konferenz am 5. Mai

April 10, 2018

Einladung zur Bahamas-Konferenz am 5. Mai in Leipzig

Die antinationale Linke hat in den vergangenen drei Jahrzehnten einen nahezu totalen Sieg errungen, ihre „Diskurshoheit“ ist so umfassend wie unangefochten. Waren es am 12. Mai 1990 in Frankfurt noch lediglich 20.000 Demonstranten, die „gegen den deutschen Nationalismus“ – so das Demo-Motto – durch die Straßen zogen und sich mit Pöblern und Polizei herumärgern mussten, so gibt es heute keinen hochrangigen deutschen Staatsrepräsentanten mehr, der diese Losung nicht unterschreiben würde. Ja, mehr noch, die offiziellen Slogans, die von ihnen heute auf allen Kanälen zum Besten gegeben werden, wären auf der damaligen Abschlusskundgebung sicher auch gut angekommen. So rief Volker Kauder, Fraktionsvorsitzender der CDU im Bundestag, anlässlich einer Feierstunde zu 55 Jahren Élysée-Vertrag Ende Januar aus: „Europa wird nur eine gute Zukunft haben ohne Nationalismus.“ Kurz darauf bekannte sich die Bundeskanzlerin beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos in gewohnt anästhesiertem Tonfall zum Antinationalismus als Staatsräson: „Wir sehen, dass es nationale Egoismen gibt. Wir sehen, dass es Populismus gibt. Wir sehen, dass in vielen Staaten eine polarisierende Atmosphäre herrscht. […] Haben wir aus der Geschichte wirklich gelernt oder haben wir es nicht?“

Merkel und Co. haben fürwahr gelernt: nicht aus der Geschichte des Nationalsozialismus, wie es salbadernd vorgeschützt wird, sondern aus der kapitalen Erfolgsgeschichte der vergangenen 40 Jahre, der Geschichte von „transnationaler“ Produktionsauslagerung und Privatisierung öffentlicher Dienstleistung. Sie haben gelernt, dass „nationale Egoismen“ der „Haushaltsdisziplin“ der europäischen Staaten schaden; sie haben gelernt, dass „nationale Egoismen“ der USA oder Großbritanniens dem deutschen Export schaden; sie haben gelernt, dass „nationale Egoismen“ der Produktions- und Aneignungsordnung des postmodernen Kapitalismus insgesamt schaden; dass sie nicht nur zu hohe Stückkosten zu verursachen drohen, sondern auch zu hohe Ausgaben bei den Löhnen und überhaupt bei den Systemen der öffentlichen Daseinsfürsorge, von der Altenpflege bis zum Wohnungsbau – und das nicht allein in Deutschland, sondern womöglich auch in jenen Ländern, die nicht nur den industriellen Rohstoff, die einfachen Teile, den Stahl und die arbeitsintensiven Halbfertigprodukte liefern, sondern auch Billigbauarbeiter und Billigpfleger sowie, nicht zu vergessen, die Billigmöbel, Billigfernseher, Billighandys und Billigklamotten für die Prekarisierten hierzulande.

Und Merkel und Co. haben noch mehr gelernt. Sie haben gelernt, die ehemaligen Bürgerinitiativen und Antifagruppen zur Zivilgesellschaft auszubauen, was den doppelten Vorteil bietet, vormals staatliche Regulationsaufgaben auszulagern und zugleich absolut verlässliche, weil hemmungslos konformistische Claqueure des postmodernen Kapitalismus zur Hand zu haben, die als gute „Globalisten“ und „Antirassisten“ alles, was den Menschen zwecks Exportoffensive und sozialer Deregulierung zugemutet wird, entweder gleich vorbehaltlos begrüßen oder – der eigenen Selbstachtung willen – mit notwendig konsequenzlosen Floskeln von „transnationaler Solidarität“ und dergleichen mehr garnieren. Das herrschende Personal hat gelernt, dass die Außerkraftsetzung des unnütz, teuer und lästig gewordenen ehemaligen Proletariats am reibungslosesten durchgeht, wenn jede Form kollektiver Interessenvertretung als „totalitär“, „rechtspopulistisch“ oder als Bandenbildung diffamiert wird, weil sie – so wie es die postmoderne Theorie vorbuchstabiert hat – das Besondere, Minoritäre, Abweichende normiere. Dieses Personal hat gelernt, das „Patchwork der Minderheiten“ nach Kräften zu fördern und dadurch immer weiter aufzufächern, von den Anfängen der „triple oppression“ bis zum heutigen, nahezu undurchdringlich gewordenen Dickicht von Bindestrich- und Sternchen-Identitäten. So gelang es rund zwei Jahrzehnte lang, die Hartz-Reformen und den Ausverkauf öffentlicher Wohnungen und Infrastruktur fast unmerklich in den Hintergrund rücken zu lassen im Lärm des Wetteiferns um in den allermeisten Fällen angemaßte und eingebildete Diskriminierungen und Weltbesorgnisse wie den sogenannten Klimaschutz – ein Wetteifern, das mit Projektstellen, symbolischen Events und gendergerechter Grammatik billig am Laufen zu halten ist. Kurz gesagt: Die zurückliegenden Jahrzehnte waren bestimmt von der nahezu kompletten Verschmelzung von kapitalen Erfordernissen, deutscher Ideologie und ostentativem Antinationalismus.

Globalisten gegen Hinterwäldler

So weit, so furchtbar. Doch was haben diejenigen gelernt, die an die antideutschen Aktivitäten des Jahres 1990 anknüpften und die damals aufkommenden Schlagworte bis heute und damit bis zum Überdruss wiederkäuen? Haben sie je darauf reflektiert, dass sich die einst bitter berechtigten Parolen gegen den Pogrom-Mob in Hoyerswerda und Lichtenhagen zu wohlfeilen Propagandasprechblasen der Islamophilie entwickelt haben, zu regelrecht sozialdarwinistischen Kampfparolen gegen die Alten, Uncoolen, Zurückgebliebenen in den wastelands des postmodernen Kapitalismus, die nicht mitkommen können oder wollen bei all der Flexibilisierung samt Zwang zum lebenslangen Lernen? Dass Slogans, die einstmals im besseren Fall den zivilisatorischen Rückstand Deutschlands gegenüber den Nationen im Westen thematisieren sollten, heute dazu dienen, alles, was sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland mühsam zivilisierte, aufzukündigen?

Weil sie jede Reflexion darauf verweigern, wie sehr die ehemals eigenen Positionen mittlerweile integraler Bestandteil der Zivilgesellschaft geworden sind, wittern diejenigen Antideutschen, die längst zu Hilfstruppen des Staatsapparats geworden sind, immer nur „Rechtspopulismus“, sobald einmal ausgesprochen wird, was unübersehbar ist: dass die antinationale Feinderklärung in Deutschland längst nicht mehr dem völkischen Ressentiment gilt (das in seiner Haupttendenz multiethnisch, islamsensibel und selber antinational auftritt), sondern ganz unmittelbar den Prekarisierten, Abgehängten wie auch denjenigen, die zumindest noch eine Idee davon haben, was einst Kosmopolitismus, Weltbürgertum oder Individualität genannt wurde. Beide werden von den Abfeierern von „Globalismus“ und „Transnationalität“ den Unflexiblen, Unmobilen – eben den Konservativen – zugerechnet, die noch immer nicht begriffen haben, worin sich heutige Antinationale mit den Nationalsozialisten einig sind: dass Leben permanente, so blinde wie blindwütige Veränderung bedeutet. Deshalb müssen die Überbleibsel des white trash ebenso wie die unberechtigterweise weiterhin an ihren Privilegien hängenden Bürger mindestens lächerlich gemacht und diffamiert, wenn nicht gleich gesellschaftlich entsorgt werden.

Die Liebe zu multikulturell befreiten Zonen ist in solch progressiv-globalistischem Milieu längst eins geworden mit der Parteinahme fürs dort herrschende Faustrecht, solange es von den Vorfeldkämpfern des Islam und nicht von sogenannten Kartoffeln ausgeübt wird. Zugleich stellt die ach so antisemitismuskritische Parteinahme für den generalisierten „Anderen“ samt des auch in kollektivpsychologischer Hinsicht höchst bedenklichen Hasses auf jede Art von Grenze die einstmals proklamierte Solidarität mit dem Nationalstaat der Juden immer offener zur Disposition. Symbolisch schlägt sich dieser Wandel darin nieder, dass aus dem „Nie wieder Deutschland“ von 1990 inzwischen ein infantil-zerstörungslüsternes „Deutschland kaputt hurra“ (Jungle World-Partymotto, 2015) wurde, bei dem schon rein sprachlich nicht mehr zu entscheiden ist, worüber der zur Bürgergesellschaft zusammengeschlossene antinationale Mob sich denn nun wirklich freut: ob über den alliierten Sieg über den nationalsozialistischen Unstaat, der kein bürgerlicher Staat gewesen ist, ob über die Zerstörung bürgerlicher Nationalstaatlichkeit zugunsten ethnisch partikularisierten Cliquenwesens, oder ob darüber, dass es wieder einmal Deutschland selber ist, das sich erneut im Alleingang und trotzdem in der Übermacht an jener Zerstörung versucht – gegen den Widerstand der USA und Großbritanniens, gegen den Widerstand der osteuropäischen Staaten und der westlichen europäischen Nationalstaaten insgesamt. Dass der antideutsche Mainstream, der solche Zerstörungslust noch propagandistisch befeuert, auf keinen Fall „rechtsantideutsch“ sein will, drückt die Reflexionsverweigerung schon sprachlich und logisch aus, denn „linksantideutsch“ ist eine contradictio in adjecto.

Diese Selbsteinschätzung verrät nur allzu deutlich, was es mit dem Protest „gegen Deutschland“ wohl bei vielen schon immer auf sich hatte. Nicht die gängige linke Sicht auf die Welt, die Vergötzung der Natur oder der gesellschaftlichen Verhältnisse auf dem Trikont als die kurrente Form deutscher Ideologie zu kritisieren, die sie ist, war die Intention. Intendiert war der antiautoritäre Widerstand gegen ein Land, das es als solches (außer vielleicht in der abgehängten sächsischen Provinz) nicht mehr gibt und, bei genauerem Hinsehen, allerspätestens seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat. Denn weder war der Nationalsozialismus unmittelbar ein Abkömmling des preussischen Autoritarismus und Imperialismus, sondern vielmehr ein dynamischer, jugendbewegter, Grenzen verachtender Bewegungsstaat, noch war die Adenauer-Ära eine Zeit politischer „Restauration“ – auch wenn kulturell ein anderer Eindruck entstehen konnte –, sondern vielmehr ein Versuch der Wiederherstellung von Grundbedingungen, die es irgendwann doch einmal möglich machen sollten, dass die Deutschen Menschen werden. Dass dieses Vorhaben misslang, hat die antiautoritäre Revolte der späten Sechziger bewiesen, die in Deutschland vor allem ein Aufstand gegen die Verwestlichung von Politik, Institutionen, Habitus und Denkweise war, auch wenn sie die Bundesrepublik in der Populär- und Unterhaltungskultur scheinbar amerikanisierte.

Restauration als Popanz

Selbst die Kohl-Ära war alles andere als „restaurativ“. Hinter all den altnationalen geschichtspolitischen Kulissen, die errichtet wurden, dem Kokettieren mit Walsers „Auschwitz-Keule“, den Bocksgesängen von Botho Strauß bis hin zu desperaten Oder-Neiße-Revisionisten, die in den ersten Jahren nach der Annexion der DDR große Töne spucken durften, vollzog sich ein völlig anderer Prozess, der nach dem Ende des ostdeutschen Sozialstaats in Windeseile nachholte, was Margaret Thatcher in Großbritannien unter allerdings signifikant anderen Ausgangsbedingungen vorgemacht hatte: Zum einen die Privatisierung der staatlichen Großinstitutionen (Bahn, Post), ja überhaupt des gesamten Systems der Daseinsvorsorge, die gleich mitprivatisiert wurde, und zum anderen die flächendeckende Deindustriealisierung bei weitem nicht nur in der angeschlossenen DDR – ein Prozess, der in den Achtzigern in der Bundesrepublik erst zögerlich begonnen hatte, wobei ganze Industriezweige wie die Uhren- oder Textilindustrie leise entsorgt wurden, die Stahlindustrie hingegen immerhin etwas lauter.

Die rot-grüne Bundesregierung schließlich war es, die diese Kulissen abräumte und die entsprechenden Sozialreformen auf den Weg brachte, aber – und das ist entscheidend – nicht gegen die Linke, sondern mit ihr und deren eigenen Prämissen folgend. Diese Regierung und ihr Milieu konnten auf all das zurückgreifen, was die Linke seit ihrem Abschied vom Proletariat auszeichnete: den Kommunitarismus der Minderheiten, den Pseudoindividualismus der Selbstverwirklichung, die „Politik der ersten Person“ samt ihrer Aufhebung der Grenzen von öffentlich und privat, die kreative Elendsselbstverwaltung der Alternativ- und Ökobewegung, die Subversion, die jede gesellschaftliche Konvention ablehnt, den Antifaschismus schließlich, der sich gegen Nazis richtete, aber eigentlich „die Spießer“ meinte. Der Kampf gegen den Faschismus, der Aufstand der Anständigen gegen die Unanständigen also, erschien so deckungsgleich mit dem Kampf gegen den alten Sozialstaat – und da zogen jene Antideutschen voll mit, die gegen ein nichtexistentes Deutschland mit der verinnerlichten Überzeugung protestierten, dass der nationale Sozialstaat es gewesen sei, der Auschwitz verursacht hatte, und nicht eine antisemitisch-obskurantistische Jugendbewegung, die schuf, was Franz Neumann als „Unstaat“ bezeichnete. Und so tragen die „Linksantideutschen“ heute auch den Angriff auf die Grenzen mit, die den neuen transnationalen Wertschöpfungsketten nicht nur produktionstechnisch im Wege sind, sondern die zugleich auch den Souverän zwingen, sich irgend mit einer gegebenen Bevölkerung zu arrangieren, sie sozialpolitisch irgend einzuhegen, und damit die notwendigen, wenngleich nicht hinreichenden Bedingungen eines halbwegs zivilen Alltagslebens zu sichern.

Soll der Begriff überhaupt einen Sinn haben, dann wäre es die antideutsche Aufgabe schlechthin (ebenso wie es das Bestreben der Kritischen Theorie war), Deutschland, den ewigen Zerstörer, endlich zu verwestlichen – und nicht, wie es gängiger antideutscher Kartoffelhass will, ausgerechnet das zu zerstören, was an Deutschland, wie oberflächlich auch immer, zu verwestlichen gelungen ist. Unter den Bedingungen des postmodernen Kapitalismus müsste solche Verwestlichung vor allem darin bestehen, den herrschenden Apparat samt seiner Claqueure wieder dazu zu zwingen, Klassenkompromisse einzugehen (was einst im Zentrum der angelsächsischen Zivilisation und der von ihr hervorgebrachten administrativen Strukturen stand). Ein erster Schritt in diese Richtung müsste sein, das Bestreben dieses Apparats, zu teure und unproduktive Bevölkerungsgruppen zu brandmarken und am liebsten politisch wie praktisch zu entsorgen, sein Bestreben, disruptiv jedes gesellschaftliche Übereinkommen zu sprengen, keine Grenze mehr anzuerkennen (sei sie logischer oder sozialer Natur), als das, was heute deutsch ist, kenntlich zu machen und ins Zentrum kritischer Intervention zu stellen. Am deutlichsten wird solche Entsorgungswut in der unverhohlenen Hetze gegen die alten Weißen, zu denen auch alle Migranten zählen, die darauf bauten und bauen, hier im Westen zu landen, und die nicht Schwungmasse des antibürgerlichen, islamophil befeuerten Ressentiments sein wollen.

In den Referaten der Konferenz wird deshalb unter anderem darzustellen sein, worauf Antinationalismus und Entgrenzung des bürgerlichen Souveräns wie auch des mit ihm korrespondierenden bürgerlichen Sozialcharakters zielen, warum die bürgerliche Nation jedem postnationalem Ensemble vorzuziehen ist, was es mit der linksvitalistischen Feindseligkeit gegen Alte und „Konservative“ auf sich hat, wieso deutsche Ökologie zutiefst asozial ist und schließlich, warum sich der scheinuniversalistische Postnationalismus notwendig als Feind Israels, ja, als zeitgemäße und adäquate Bühne für den Antisemitismus entpuppt.

Felsenkeller, Karl-Heine-Straße 32 | 11:00 Uhr

Konferenzprogramm

Keine Stimme für DIE PARTEI!

September 4, 2017

Angesichts der – gerade in sich antideutsch apo­s­t­ro­phie­renden Kreisen – gehegten Affinität zu Martin Sonneborns Kasperprojekt DIE PARTEI, dokumentieren wir aus aktuellem Anlass einen Nicht-Wahlaufruf der Redaktion Bahamas.

Keine Stimme für DIE PARTEI!

Liebe Freundinnen und Freunde Israels und des Westens überhaupt,

einer der Hauptgründe, am 24.9. nicht zur Wahl zu gehen, liegt darin, dass Sie unter den Parteien mit Aussicht auf mehr als ein Prozent der Wählerstimmen, abgesehen von einem alternativen Wladimir-Putin-Fanclub, ausschließlich solche finden, die sich einem israelkritischen antifaschistischen Block angeschlossen haben, dessen vornehmstes Anliegen es ist, bunte Vielfalt anzupreisen und vor nationalistischem mithin braunem Gedankengut zu warnen. Diesem Block, dem rund 90 Prozent der Wählerstimmen sicher sind, gehören all Ihre coolen Freunde und Bekannten vom Nebentisch in der angesagten Kneipe im angesagten Kiez an. Die werden fundamentaloppositionell einer alles entlarvenden satirischen Anti-Partei ihre Stimme geben, die mit Lynchphantasien gegen rechts mobilisiert und landauf landab die Parole „Hier könnte ein Nazi hängen“ plakatiert.

Wenn Leute auf Plakaten eine lächelnde junge Frau im schulterfreiem Kleid neben einer unter einem schwarzen Sack mit Sehschlitz verhüllten anderen Frau abbilden und darunter schreiben: „Bunt statt braun – Gesicht zeigen“, dann kann man dagegen auch dann nichts einwenden, wenn die Urheber sich „Die Hannoveraner“ nennen und vermutlich gegen die Parole, „Hier könnte ein Kinderschänder hängen“ nichts einzuwenden hätten. Wer als Replik in antifaschistischer und natürlich satirischer Absicht der Burka-Frau einen NPD-Nazi an die Seite stellt und „Burkapflicht für Nazis – Hackfressen verdecken! Partei-Grau statt Nazi-Braun“ textet, wird mit Notwendigkeit jeden Einwand gegen die größte antinationale Bewegung der Welt vermeiden und stattdessen deren Kritiker pauschal als barbarische Staatsfeinde abmeiern. Das trifft irgendwann den von Burka-Frauen und ihren Hipsterbart tragenden Männern umstellten jüdischen Nationalstaat, der seine Grenzen schützt und im Inneren den mit ihm solidarischen Angehörigen des je aktuellen Judenmörders mit Planierraupen zurecht das Haus zerstört, aus dem das Unheil kam und bei nächster Gelegenheit wieder kommen könnte.

Liebe Freundinnen und Freunde Israels und des Westens überhaupt,

Sie alle haben im April 2017 mit Empörung die nötigenden, von tiefer Feindseligkeit erfüllten Einlassungen von Außenminister und Bundespräsident gegen Israel angesichts ihrer Staatsbesuche dort zur Kenntnis genommen. Sie alle haben mit Ekel die Verbeugung Steinmeiers vor dem mit europäischen Geldern errichteten Mausoleum eines notorischen Judenmörders gesehen und sich ganz ohne ironischen Hintersinn geschworen, wen immer Sie kennen, der es mit diesem Präsidenten und diesem Außenminister hält und deren unverhohlen deutschen Drohungen gegen den jüdischen Staat beipflichtet, die Freundschaft aufzukündigen. Sie glauben, dass sie die coolen Jungs und Mädels der lustigen Runde am Nebentisch davon ausnehmen können, wissen Sie doch, dass auch die meisten von denen „gegen jeden Antisemitismus“ und für Israel sind. Was aber machen Sie, wenn der von allen an der lustigen Runde Beteiligten angehimmelte Chef-Satiriker seinerseits den Caterpillar bemüht, wie am 25.4.17 auf Facebook geschehen, was dann so klingt: „‪Lustig, zum ersten Mal sind meine Sympathien fast überwiegend auf Sigm. Gabriels Seite… Ich würde Netanjahu mit ein paar Planierraupen besuchen, ihm das Wasser abstellen‬ und ihn ein bisschen anderweitig demütigen.“

Sie könnten sich selber ernst nehmen und der Empfehlung der Redaktion Bahamas folgen, die zuletzt 2005 einen Nicht-Wahl-Aufruf gegen einen notorischen Israel-Feind herausgegeben hat, der 1991 die irakischen Raketenangriffe auf Israel als „die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern und den arabischen Staaten“ bezeichnet hatte, ohne das je widerrufen zu haben. Während der Abgeordnete Ströbele in seiner Partei wegen dieser Aussage immerhin heftig kritisiert wurde, hat Martin Sonneborn, der Chef-Satiriker und Vorsitzende von Die Partei, seine Facebook-Worte nicht nur nicht widerrufen, mit ihm hat die gesamte coole Runde in Ihrer Stammkneipe achselzuckend geschwiegen und sich kichernd über Moralapostel von einer Insel und von anderswo mokiert, die einfach nicht lustig sein können.

Sie müssen also, wenn Sie es mit Israel und dem Westen überhaupt ernst meinen, sofort in ihrem Umfeld unter dem Motto „keine Stimme für Die PARTEI!“ agitieren, auch auf die Gefahr hin, als humorloser Spielverderber dazustehen. Tun sie es nicht, dann geben Sie sich auf, zucken mit den Achseln und machen giggelnd die jüngste Parole von Die PARTEI: „Weil ich mir egal bin.“ zu der Ihren.

(Quelle: http://redaktion-bahamas.org/aktuell/2017/09/01/keine-stimme-fuer-die-partei)

Vortrag am 16. Juni

Mai 27, 2017

Der neue Antiamerikanismus

„Was erlauben sich eigentlich diese Amis, so einen wie Trump zu wählen?“

Die deutsche Öffentlichkeit, insbesondere die linke, ist seit gut einem Jahr dauerempört über den vermeintlichen moralischen Absturz der transatlantischen Weltmacht. Eine Empörung, die zugleich einen satten moralischen Mehrwert verspricht: Glauben doch mittlerweile auch jene Linken, die sich selbst für antideutsch halten, dass das anständige Merkel-Deutschland, das inmitten eines auf Austerität gepolten Europas von einer Exportbestmarke zur nächsten eilt, der wahre Hüter des Westens ist, der schließlich aus der eigenen Geschichte gelernt hat: Nation und Grenzen waren die Auslöser des Zweiten Weltkriegs.

Dieser neue Antiamerikanismus erinnert fatal an die Methoden der „Wiedergutwerdung“ (Eike Geisel) der Deutschen gegenüber den Juden. Auch sie wurden mit den Lehren aus der Geschichte konfrontiert, die die Täter von einst nun so formulierten: Frieden mit jedem, gleich ob der einem an den Kragen will, und sich bloß nicht wehren gegen erklärte Feinde, sonst werde man schließlich selbst zum Täter, so wie Hitlerdeutschland.

Als Hitlers potentieller Wiedergänger rangiert hier jeder, der dem Islam misstraut, der die neue transnationale Produktionsordnung infrage stellt, der es wagt, den abgehängten „Abschaum“ (Hillary Clinton) überhaupt als potentielle Wähler anzusprechen und nicht gleich in den Mülleimer der Geschichte zu stoßen beabsichtigt – und nicht zuletzt der, der Grenzen sichert, gerade jene Grenzen, die einen Raum möglichst angst- und gewaltfreien gesellschaftlichen Verkehrs sichern und definieren, also der, der nicht insgeheim den Ausnahmezustand herbeisehnt.

Gegen diesen neuen Antiamerikanismus wenden sich die Überlegungen von Magnus Klaue und Uli Krug. Die Redakteure der Zeitschrift Bahamas werden unter anderem die Frage aufwerfen, ob „America First“ unter heutigen Bedingungen nicht etwas ganz anderes meint als das, was die amerikanischen Rechten damals im Sinn hatten, die einst diesen Slogan aufbrachten, um eine Intervention gegen Hitlers Deutschland zu verhindern, oder ob der neue deutsche Antinationalismus im Kern nicht ebenso antiwestlich ist, wie es der alte Kulturnationalismus immer schon war.

Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue und Uli Krug.

Von Uli Krug ist unlängst „Der Wert und das Es – Über Marxismus und Psychoanalyse in Zeiten sexueller Konterrevolution“ erschienen. Magnus Klaue ist Autor von „Verschenkte Gelegenheiten“ (beide Bücher bei ça ira).

16. Juni 2017 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19:00 Uhr

Vortrag am 19. Januar

Dezember 14, 2016

Die Volkspartei des gesunden Menschenverstandes
Kritik der AfD und ihrer Gegner

Bundesjustizminister Heiko Maas, der vom Lifestyle-Magazin GQ wegen seiner „ausnahmslos perfekt“ sitzenden Anzüge 2016 zum bestangezogenen Mann in Deutschland gekürt wurde, steht nicht nur stilistisch für das bessere Deutschland. Auch seine Ansprache adressiert im ausnahmslos perfekt sitzenden neudeutschen Jargon diejenigen Landsleute, die als Werbeträger für ein unverkrampftes Deutschland gefragt sind: „Bleiben wir ein modernes und weltoffenes Land, oder werden wir eine Nation verkniffener Spießer, die ihr Heil in der Vergangenheit sucht?“

Die nationale Schicksalsfrage, die Maas via Spiegel Online ans Volk gerichtet hatte, ist im Thüringischen Jena längst beantwortet. Der Klassenprimus des Ostens gilt als eine Hochburg der Einheitsfront von Bewegungs- und Staatsantifa. Laut Selbstauskunft der lokalen Kämpfer gegen den Rechtsextremismus wird Jena nicht nur so standhaft verteidigt wie einst das von Ernst Busch besungene „Rote Madrid“, sondern strahlt gleichsam quasitherapeutisch aufs ganze Land, nämlich als „ein Ort, von dem Ermutigung ausgeht“, denn oft sei es gelungen, „Naziaufmärsche aus unserer Stadt fernzuhalten. […] Jenaer Erfahrungen im Kampf gegen den Rechtsextremismus sind in vielen Teilen der Bundesrepublik gefragt und werden geschätzt“.

Beflügelt vom Aktionsstolz, der in solchen heimatverbundenen Bewerbungsschreiben für das eigene Kaff zum Ausdruck kommt, und der Gewissheit, das Demonstrationsrecht jederzeit aushebeln zu können, gelang es, mit „tausende[n] Menschen und bunte[n] Protestaktionen“ eine angemeldete Demonstration der AfD einzukesseln und unmissverständlich klarzustellen, dass „die Zuschreibung ‚Bunt, Tolerant und Weltoffen’ für unsere Stadt mehr als eine Image-Kampagne“ ist: nämlich Klammer des Gemeinschaftsgeistes der „engagierte[n] Menschen“ im „akademischen Jena“ gegen das zum Feindbild erklärte ehemals proletarische Umland, für das nach gängiger Lesart nicht nur bei Heiko Maas die AfD und deren Wähler, die verkniffenen Spießer, stehen.

Es sind keine intellektuellen Höchstleistungen vonnöten, um zu erkennen, dass die AfD nicht wegen ihrer ideologischen Ausrichtung oder einfach deswegen angegriffen wird, weil sie darauf zielt, notorischen Futterneidern die miesesten Instinkte zu entlocken. Das Establishment der Berliner Republik bekämpft im Schulterschluss mit der Antifa die AfD als Partei der Ewiggestrigen und Abgehangenen, die beim permanenten Flottmachen im Dienste des Kapitals als potentielle Hemmnisse beunruhigen. Die Zurückgebliebenheit der Krethis und Plethis aus entvölkerten Landkreisen wird zum Anlass genommen, ganz Deutschland auf Trab zu bringen: Wenn ihr euch „physisch, ökonomisch und zeitgeistig“ nicht anstrengt, endet ihr wie die Loser von der AfD, so die unverhohlene Botschaft.

Der sogenannte kleine Mann firmierte hierzulande bis auf wenige Ausnahmen − man denke an Wilhelm Reichs „Rede an den kleinen Mann“ oder Hans Magnus Enzensbergers Gedicht gegen den „mann in der trambahn“ – stets als heiß umworbene Schwungmasse aller politischen Fraktionen und insbesondere für die Linken als potentieller Verbündeter, von dessen Hässlichkeit man nichts wissen wollte. Das scheint sich zu ändern, der kleine Mann und die kleine Frau werden längst nicht mehr nur umschmeichelt, sondern ziehen zunehmend die Ungeduld und den Zorn der modernen und weltoffenen Deutschen auf sich. Der Widerspruch gegen die bornierte Aggressivität der kleinen Männer und Frauen auf dem Wutbürgertrip ist dabei mitunter so autoritär wie deren Gestus des gesunden Menschenverstandes.

Gegen die AfD, die als Partei der kleinen Männer und Frauen triumphiert, hat sich der bessere Teil der Landsleute zur Antifaschistischen Aktion Deutschland zusammengeschlossen und führt sich seit Monaten auf, als bestünde die Gefahr, dass man morgen schon gegen den aufziehenden Faschismus an die Gewehre müsste. Was beim ganzen Nazipopanz jedoch auf der Strecke bleibt, ist eine einigermaßen realistische Einschätzung der neuen Problempartei. Ihr Erfolg basiert darauf, dass sie den in der infantilisierten Gesellschaft sich ausbreitenden Typus des streitsüchtigen und zunehmend enthemmt agierenden Narzissten mit den passenden Sprüchen im Glauben bestärkt, zu den betrogenen Durchblickern zu zählen.

Ihre größte Fanbase hat die AfD nach wie vor im Osten, wo das Bedürfnis, konformistisch zu rebellieren, besonders hoch ist und wo anscheinend mehr Menschen leben, die sich nicht einmal dafür schämen, öffentlichen Veranstaltungen beizuwohnen, auf denen ein schrulliger Gymnasiallehrer wie Björn Höcke sich in abstrusen Biologismen und peinlich komischem Männlichkeitskitsch ergeht.

Im Osten wetteifert die AfD mit der Linkspartei um das volksnaheste Heimatschutzprogramm und hat gegenüber der parteipolitischen Konkurrenz den Vorteil, den fremdenscheuen Ossi mit Ausländer-Raus-Sprüchen umschmeicheln zu können, ohne parteiintern Widerspruch zu provozieren.

Zum Lieblingsfeind der modernen Deutschen wurde die AfD jedoch, weil sie den Islam nicht ausnahmslos als beglückende Bereicherung betrachtet, sondern auf die Scheußlichkeiten hinweist, die die islamistischen Propagandisten und politisierenden Moslems in ihren Einflussbereichen anrichten. Würden die im Bundestag vertretenen Parteien unterdessen den Islam nicht in fortgeschritten realitätsverleugnender Weise andauernd schönreden, dann wäre die AfD nicht so stark wie sie es aktuell ist – denn dann könnte die Partei nicht damit auftrumpfen, die einzige zu sein, die zum Islam zuweilen nicht nur die übliche Portion zynischen Kulturrelativismus abliefert.

Vortrag und Diskussion mit den Bahamas-Autoren David Schneider und Mario Möller.

19. Januar 2017 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19:00 Uhr

Vortrag am 17. Dezember

November 30, 2015

Das letzte Gefecht
25 Jahre „Nie wieder Deutschland!“

„Nie wieder Deutschland!“ – Unter diesem Motto mobilisierte die außerparlamentarische Linke vor 25 Jahren, im Mai 1990, strömungsübergreifend auf den Frankfurter Opernplatz, um gegen die deutsche Wiedervereinigung zu protestieren. 20.000 Menschen folgten dem Aufruf. Wenige Monate später war diese ungewohnte Harmonie vorbei: Es brachen jene Konfliktlinien auf, an denen sich die außerparlamentarische Linke in den nächsten beiden Jahrzehnten gruppieren sollte. In personeller Hinsicht fiel man in die Bedeutungslosigkeit. Gruppierungen, die seit mehr als zwanzig Jahren bestanden hatten, lösten sich auf; die Linke geriet in eine der größten Krisen ihrer Geschichte. Dieser Umstand verwundert zunächst. So hatten APO und Co. dem Honecker-Regime und den anderen Staaten des „real existierenden Sozialismus“ in der Regel kritisch bis feindselig gegenübergestanden. Es stellt sich damit die Frage, warum die außerparlamentarische Linke ausgerechnet durch das Ende der DDR, die deutsche Wiedervereinigung und den Untergang des Ostblocks in einen Schockzustand fiel. Und: Warum hat sie sich auch heute, mehr als ein Vierteljahrhundert später, noch nicht von diesem Schock erholt? Um hierauf antworten zu können, ist sowohl ein Blick auf die Zeit des Kalten Krieges als auch eine Auseinandersetzung mit jenen drei Begriffen nötig, die nach wie vor im Zentrum des linken Selbstverständnisses stehen: Revolution, Antifaschismus, Antiimperialismus.

Vortrag und Diskussion mit Jan Gerber.

Jan Gerber ist Autor des Buches Das letzte Gefecht – Die Linke im Kalten Krieg (XS-Verlag 2015), welches im Vortrag auch vorgestellt werden soll, sowie des Titels Nie wieder Deutschland? – Die Linke im Zusammenbruch des realen Sozialismus (ça ira 2010).

17.12.2015 Universität Jena, Hörsaal 8 // 19 Uhr

Vortrag am 26. Juni

Mai 29, 2015

Integration in weltbürgerlicher Absicht
Ein Plädoyer für das bürgerliche Recht

„Der Islam gehört zu Deutschland“. Für dieses Statement attestierte der Freitag dem Ex-Bundespräsidenten Wulff und der Kanzlerin Merkel eine „kosmopolitische Beherztheit“. – Würden sie damit doch nur die Realität anerkennen.

Höchstrichterlich stimmte das Bundesverfassungsgericht in diesen Tenor ein, indem es der Beschwerde zweier muslimischer Frauen gegen deren Kündigung aus dem Schuldienst auf Grund des Tragens eines Kopftuches stattgab und feststellte, „dass ein pauschales Verbot religiöser Bekundungen in öffentlichen Schulen (…) gegen das Verbot der Benachteiligung aus religiösen Gründen“ verstoße und dass „nicht nur eine abstrakte, sondern eine hinreichend konkrete Gefahr der Beeinträchtigung des Schulfriedens oder der staatlichen Neutralität ausgehen muss, um ein Verbot zu rechtfertigen“. Eine Gefährdung der offenen Gesellschaft, so Volker Beck (Grüne) zustimmend, ginge nicht von Lehrerinnen und Lehrern aus, die ihren Glauben sichtbar bekundeten, sondern von jenen, „die Vielfalt bekämpfen“. Für die Generalsekretärin des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), Nurhan Soykan, ist ausgerechnet dieses Urteil ein „richtiger Schritt, weil es die Lebenswirklichkeit muslimischer Frauen in Deutschland würdigt (!) und sie als gleichberechtigte Staatsbürger (!!) am gesellschaftlichen Leben partizipieren lässt“ – als würde dieses Urteil nicht all jenen in den Rücken fallen, die nicht als gänzlich befangene Zwangsmitglieder „ihrer“ Kulturhorde, sondern als Einzelne und Freie ihr Glück jenseits von volksgemeinschaftlichem Terror suchen wollen.

Die ganze Debatte zum Umgang mit dem Islam rührt jedoch an einer grundsätzlichen Frage: der Integration von Migranten und Flüchtlingen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, Flüchtlingen die Chance auf ein besseres Leben zu verweigern und der Parole „Bleiberecht für alle!“ lässt sich mehr abgewinnen als Versuchen, Fluchtursachen fein säuberlich in (legitime) politische und (verwerfliche) wirtschaftliche Gründe zu trennen.

Wer A sagt, also „Refugees Welcome“, wird um die Frage B, nämlich die nach der Integration, nicht herumkommen: Es gilt, Doppelstandards nach den Maßgaben autoritärer Parallelgesellschaften – wofür maßgeblich, aber nicht ausschließlich, die islamischen Communities stehen – zu verhindern. Voraussetzung dafür wäre, dass eine Gesellschaft die universellen Maßstäbe des Westens, an denen sich die Einzelnen in ihrem täglichen Leben sehr wohl orientieren, zu ihrer Sache macht und gewillt ist, diese selbstbewusst durchzusetzen. Das wäre notwendig mit der Einsicht verbunden, dass „Vielfalt“ und „Anderssein“ ausschließlich als private Vorlieben, die ihre Grenzen am bürgerlichen Recht erfahren, zu gelten hätten und niemals als Gemeinschaftseigenschaften. Denn so merkwürdig es auch klingen mag: In nicht-revolutionären Zeiten ist der Restbestand von Vernunft, der überdauert hat, nicht auf den Demonstrationen irgendwelcher Globalisierungsgegner anzutreffen und schon gar nicht bei den Dresdner Freunden der abendländischen Kultur, sondern im unpersönlichen Getriebe der Rule of Law.

Vortrag und Diskussion mit Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas).

26.06.2015 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19 Uhr