Skip to content

Vortrag am 17. April

März 25, 2013

Terror, Wahn, Gesellschaft
NSU, der Staat und die Verwandlung der Gesellschaft in ein Irrenhaus

Als sich im November 2011 herausstellte, dass Neonazis über mehrere Jahre hinweg Mordanschläge in der Bundesrepublik verübt hatten, war die deutsche Öffentlichkeit „betroffen, empört, fassungslos“. Nach dem Bekanntwerden der NSU-Morde wurde über alles Mögliche gesprochen: ein Wiedererstarken der Neonaziszene, eine „Braune Armee Fraktion“, inkompetente Behörden, eine rassistische Gesellschaft sowie rechte Seilschaften bei Verfassungsschutz und Polizei. Nur eines wollte oder konnte niemand thematisieren: die Frage, inwieweit sowohl die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ als auch die Kombination aus Inkompetenz und Impertinenz auf Behördenseite Ausdruck einer an sich selbst irre gewordenen Gesellschaft sind.

Aus Anlass des Prozessbeginns gegen Beate Zschäpe soll im Rahmen des Vortrags mit einigen Thesen versucht werden, über die reine Faktensammlung und die hektische Betriebsamkeit von Politik und Medien – von der Einrichtung einer Generaldatei „Rechts“ bis zu Diskussionen über ein neues NPD-Verbotsverfahren – hinauszukommen. Denn allem Veränderungsgestus zum Trotz dient dieser Aktionismus letztlich nur einem Zweck: besinnungslos weiter hantieren zu können wie bisher.

Das zeigen nicht zuletzt die Reaktionen in Jena, der Stadt, die den „Nationalsozialistischen Untergrund“ hervorgebracht hat. Die „Henker Jenas“, die in der Debatte auf den Zusammenhang von ostdeutschen Zuständen und dem Terror des NSU verwiesen, bekamen es mit Beißreflexen derer zu tun, die den Standort Jena als das eigentliche Opfer einer Medienkampagne erkennen wollten und das Engagement der Zivilgesellschaft gegen Rechts verunglimpft sahen. Andere hingegen traten die Flucht nach vorn an. So wussten Bewegungslinke den Jahrestag der Aufdeckung des NSU routiniert zur Identitätsstiftung zu nutzen und riefen zu einer Demonstration auf, die sich unter Missachtung jeder empirischen Realität gegen einen angeblichen rassistischen Konsens der gesamtdeutschen Mehrheitsgesellschaft richtete, als deren bloße Avantgarde die Terrorbande agiert habe. Darüber hinaus gab es seitens der parlamentarischen Linken die Empfehlung an die Landesregierung, die Antifa als den kompetenteren Verfassungsschutz anzuerkennen. In Zeiten der faktischen Erosion des Staates ist das nur konsequent: Das gesellschaftliche Unwesen soll zunehmend selbstverwaltet reproduziert werden.

Vortrag & Diskussion mit Vertretern der AG Antifa im Studierendenrat der MLU Halle.

17.04.2013 Universität Jena, Hörsaal 6 // 19 Uhr

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: