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Vortrag am 24. Januar

Dezember 21, 2011

Hier stehe ich, ich kann nicht anders.
Die Wutbürgerproteste und der Umschlag von ethischer in praktische Gewalt

In nichtrevolutionären Zeiten pflegen sich die nach innen gestaute Wut, der Neid und das Ressentiment der Massen in aktionistischen Ersatzhandlungen Bahn zu brechen, die wahlweise „Revolten“ oder „Aufstände“ genannt werden und, wenn es ganz schlimm kommt, zur authentischen Tathandlung der zum Volk zusammengeschweißten freiwillig Entmündigten eskalieren. Der prospektive Feind solcher im Pogrom zu sich selbst kommenden Aufstandseuphorie ist von der „Occupy“-Bewegung ebenso abstrakt wie konkret mit dem Slogan „Eine Welt ohne 1 % ist möglich“ benannt worden: Egal, wer sich in welcher Zahl und an welchem Ort zum spontanen Kollektiv zusammenklumpt, es gibt immer das eine Prozent, das aus der Welt geschafft werden muß, damit die anderen sich wohlfühlen können. Das eine Prozent ist das zur statistischen Größe zusammengeschrumpfte, unpersönliche, aber im je besonderen Fall immer konkrete Opfer, das gebracht werden muß, damit die restlichen 99 es mit der Borniertheit und Stumpfheit ihresgleichen aushalten. Bei aller Unduldsamkeit gegenüber Kritik und Geist ähneln die Protagonisten der „Occupy“-Bewegung den diversen Umwelt-, Bildungs- und Bahnhofsprotestlern allerdings darin, daß sie bislang erstaunlich gewaltlos geblieben sind und gut protestantisch mit „moralischen“ und sonstigen „höheren Werten“ argumentieren. Doch die Geschichte des Protestantismus selbst macht augenfällig, daß die ungetrübte Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen und daher um keinen Zoll weichen zu dürfen, jederzeit in Barbarei umschlagen kann. Vor diesem Hintergrund wird der Vortrag die Wutbürgeraufstände hierzulande als Symptome einer immer offeneren (Selbst-)Vernichtungssehnsucht des depravierten Restbürgertums zu deuten versuchen.

Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue

Magnus Klaue ist freier Autor und publiziert u.a. in den Zeitungen Bahamas und Jungle World.

24.01.2012 Universität Jena, Hörsaal 8 // 19 Uhr

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