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Vortrag am 09. Mai

April 13, 2012

Märchen vom Markt
Ökonophysik als Vesuch das Kapital zu rationalisieren

Für jeden Unfug zu haben, weil es selbst der Größte ist, sanktioniert das Kapital noch jede Wissenschaft in ihrem Bestreben, das gesellschaftliche Unwesen nicht als ein solches zu Bewusstsein zu bringen. Neueste Erscheinung der Ideologieproduktion ist die Ökonophysik (Econophysics). Mittels physikalischer Methoden und Theorien wollen so genannte Ökonophysiker der politischen Ökonomie zu Leibe rücken und robuste gesetzmäßige Zusammenhänge innerhalb der Dynamik kapitalistischer Märkte erforschen. Auf den ersten Blick ließe sich dieser Anspruch mit dem Hinweis auf den offenkundigen praktischen Misserfolg des ökonophysikalischen Unterfangens abtun. Hätten Wissenschaftler tatsächlich zuvor unbekannte robuste Marktgesetze auch nur im Ansatz entdeckt, so hätten sie mit ihrer Hilfe ein anhaltend prosperierendes Geschäft entwickeln können und müssten sich nicht mit drittmittelfinanzierter Grundlagenforschung oder dem Gnadensalär eines Staatsbüttels zufrieden geben. Um aber wenigsten die Projektförderung und Staatsentlohnung nicht zu riskieren, so zeigt ein zweiter Blick, darf der andauernde Misserfolg, gleich dem offenkundigen Unfug von Lottosystemen oder Chartanalysen, nicht demotivieren, muss vielmehr produktiv gewendet zu immer neuen Forschungsleistungen anspornen: Der Versuch, sich mittels Kapital zu reproduzieren, lässt den Wunsch nach quasi naturgesetzlich-logisch gesichertem Einkommen wachsen, wofür die Einsicht, ihn unmöglich realisieren zu können, hinderlich ist und verdrängt werden muss.

Der Vortrag widmet sich der Frage, wie physikalische Wissenschaft, die den Menschen wertvolle Erkenntnisse über Vermittlungen der bloßen Natur geliefert hat und mit dieser Art von Aufklärung erlaubt, Natur in wichtigen Teilen zu beherrschen und nutzbar zu machen, durch die Ökonophysik zugerichtet wird. An welcher Stelle gibt die Ökonophysik den naturwissenschaftlichen Wahrheitsanspruch systematisch auf und mit welchen theoretischen Mitteln versucht sie die kapitalistische Ökonomie gegen jede Evidenz als im Ganzen rationale Veranstaltung auszugeben?

Vortrag und Diskussion mit Jörg Huber (Freiburg)

Jörg Huber ist Physiker und beschäftigt sich mit der Kritik naturwissenschaftlicher Welterklärungen; zuletzt erschien von ihm ein Artikel zu Nassim Taleb und anderen Apologeten des Kapitals in der Zeitschrift Bahamas.

09.05.2012 Universität Jena, Hörsaal 6 // 19 Uhr

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Ein Kommentar leave one →
  1. Alex Permalink
    Mai 10, 2012 8:53 vormittags

    Sehr informativer Vortrag gestern, danke!

    Eine der Fragen, die gestern abend im Raum standen, bezog sich meines Wissens auf die Implementierung von “Ökonophysik” im Hochschulraum. Als eigenständiger Studiengang macht an der Uni Ulm die “Wirtschaftsphysik” Prätentionen darauf, kapitalistisches Wirtschaften mit ehernen Naturgesetzen erklären zu wollen (http://www.wirtschaftsphysik.de/page.php?10) – und das bereits seit WS 1998/99!

    Lustigerweise glaubt man tatsächlich, “erfolgreiche physikalische Methoden” als Gewährsmann für nahezu alles heranziehen zu können – besonders mit Blick auf die von Jörg Huber kritisierte Vorstellung, partielle bzw. ganze Ausschnitte von “Welt” subsumtionslogisch mit Regelmäßigkeiten unterfüttern zu wollen, ohne das ganze axiomatisch plausibilisieren zu können (zu wollen?!).

    Alex

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