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Erklärung der Association Pomme de Terre zur Verschiebung der Veranstaltung mit Justus Wertmüller am 29.06.2011

Juli 4, 2011

Das Jenaer Linkskartell

Wenn Linke gegen den Überwachungs- und Kontrollwahn des Staates Sturm laufen, dürfte dahinter weniger der Anspruch zur Verwirklichung „der offenen Gesellschaft“ als Bedingung der Möglichkeit für Kritik stehen. Vielmehr gibt es berechtigte Gründe zu der Vermutung, dass diese als Widerstand halluzinierten Aktivitäten das Bedauern darüber zum Ausdruck bringen, nicht über die Mittel und Möglichkeiten des Souveräns zu verfügen, um mit Hilfe der Interessenverbände namens Antifa, Antira und Anti[-setzen-Sie-ein-was-Sie-wollen] selbst Hand anlegen zu können, d.h. bei Bedarf eine weitere Sau durchs linke Dorf zu treiben. Nichts anderes als eine Staatsfixierung der Linken kann es bedeuten, wenn der Ruf nach direkter Demokratie, die Besessenheit auf Ehrenamt und Engagement als Mantra ertönen, nichts anderes also, als vorauseilender Gehorsam und Antizipation dessen, was künftig für das Gemeinwohl, das in Deutschland ein postnazistisches ist, von Interesse sein könnte.

Jena mag Provinz sein, der Vorstand des StuRa der Friedrich-Schiller Universität und die ihn dominierende Wahlliste „Stur-A-ktiv“, namentlich Stephanie Borck und Carola Wlodarski-Simsek, daneben auch Marcel Eilenstein, spielen mit ihren Freunden in der ersten Liga linksdeutschen Heimatschutzes. Dieser Heimatschutz zeigt sich in den Versuchen, den eigenen Machtbereich Universität gegen unliebsame Kritik zu immunisieren. Gegen eine Kritik, die, Adorno zufolge, sich nachgerade nicht um Konstruktivität zu sorgen hat, da sie dann keine mehr wäre. Daher wachen die Carolas, Stephanies und Marcels dieser Republik nicht nur in Jena darüber, wer zu welchem Thema sprechen darf und wer nicht, sie haben auch stets ein Auge auf die „wissenschaftliche Fundiertheit“ und – wer hätte es nicht geahnt – auf eine differenzierte Darstellung der Sache.

Der erste Streich dieses Gespanns, eine Veranstaltung mit Justus Wertmüller zu verhindern, datiert vom Februar dieses Jahres. Wir stellten einen Finanzantrag für einen Vortrag zum Thema Islamophobie. Justus Wertmüller war eingeladen, diesen Kampfbegriff auf seinen Wahrheitsgehalt und seine Implikationen hin zu untersuchen und darüber hinaus klarzustellen, dass dieser Begriff immer dann ins Feld geführt wird, wenn eine Kritik des Islam als rassistisch motiviert diffamiert werden soll. Als wollten sie die erwartete Kritik empirisch unterfüttern, lancierte die Troika des „Stur-A-ktiv“ den – mit keiner zusammenhängenden Textzeile aus der Feder des Bahamas-Redakteurs belegten – Vorwurf, Justus Wertmüller sei rassistisch weil islamophob, was letztlich den Ausschlag dafür gab, dem StuRa-Referenten, der stellvertretend für uns den Antrag auf Finanzierung stellte, die Gelder zu verweigern. Nach Machart eines Politbüros inszenierten die Nachwuchskader von „Stur-A-ktiv“ gar einen Gesinnungstest: Aus zusammengeschnippselten Textpassagen sollte der zum Rapport bestellte Referent den unterstellten rassistischen Gehalt diagnostizieren. Da dies ausblieb, war klar, dass der Referent ein Querulant sei, der sich der Erpressungssituation nicht beugen wolle. *

Gleichwohl: Der Versuch, den Vortrag im Februar zu verhindern, ging gründlich schief, denn 160 Leute folgten unserer Einladung. Für den Referenten, der den Finanzierungsantrag übermittelte, waren die folgenden Wochen wenig erfreulich. Er hatte sich zu rechtfertigen, als Privatperson die Veranstaltung besucht zu haben. Besonders erschwerend kam für ihn hinzu, dass er nicht widersprach, als das Treiben des StuRa-Vorstandes von Justus Wertmüller ganz konkret benannt wurde. Mit anderen Worten: Allen Ernstes verwahrten sich machthungrige Nachwuchskader, die jeden erdenklichen Unsinn produzieren und diesen auch für alle Öffentlichkeit sichtbar unterschreiben, dagegen, genau für diesen Unsinn auch in der Öffentlichkeit zur Verantwortung gezogen zu werden. Damit beanspruchen sie einen Artenschutz, den sonst nur die Vertreter der grünen Religion für sich in Anschlag bringen.

Unsere Ankündigung, Ende Juni einen weiteren Vortrag mit Justus Wertmüller zum Thema Karriere und Engagement. Studium und Ehrenamt zu veranstalten, um diese Zustände zu thematisieren, versetzte die Jenaer Linke in helle Aufregung. Die namentliche Nennung jener Leute im Ankündigungstext, deren selbst auferlegte Verantwortung darin besteht, Zensur auszuüben und Loyalität zu erpressen – siehe der Vorwurf der mangelnden Kollegialität und des fehlenden Zugehörigkeitsgefühls an den mittlerweile ausgeschiedenen Referenten – blieb in Vorbereitung der Veranstaltung nicht ohne Folgen. Zunächst weigerte sich der für die Raumvergabe Verantwortliche an der Universität, eine Veranstaltung, in der das Bedürfnis nach studentischem Engagement als staatsbürgerlicher Reflex kritisiert werden sollte, in den Räumlichkeiten der Hochschule stattfinden zu lassen, weil das – man höre und staune – Konfliktpotential enthalte, politisch motiviert sei und die Neutralität der Universität gefährde. Inwiefern diese Entscheidung auf die Initiative des StuRa-Politbüros zurückgeht, ist Spekulation. Ein zweiter, bereits zugesagter, Raum im Kulturbahnhof wurde kurzfristig abgesagt, und hier liegen belegbare Hinweise vor, dass diese Absage nicht ohne Zutun eines bzw. einer der im Ankündigungstext Benannten zustande gekommen wäre. Ganz sicher belegbar ist jedoch, dass die Sperrung unseres Blogs bei blogsport.de auf das Konto jenes Blockwärtervereins geht, der in Jena „Stur-A-ktiv“ heißt und einem alternativen Amt für Verfassungsschutz gleicht.

Nach zwei vergeblichen Versuchen, angemessene Räume zu buchen, blieb als Ausweg die Gaststätte „Ratszeise“. Da im privatgeschäftlichen Bereich die Klüngeleien des Linkskartells für gewöhnlich bedeutungslos sind, griffen die Feinde der Kritik auf ein anderes Repertoire zurück: Per E-Mail wurde dem Betreiber mitgeteilt, dass es sich um eine rechtsextreme Veranstaltung handele und es wurde ein Bedrohungsszenario entworfen, wonach mit wirtschaftlichen Einbußen zu rechnen sei, sollte an der Zusage der Räumlichkeiten festgehalten werden.

Mag Jena Provinz sein, in Sachen Zensur, Kolportierung von Gerüchten und bewussten Lügen, im Pochen auf garantiert kritikfreies Diskursgeschwätz und in der Sicherung der Scholle vor Eindringlingen steht „Stur-A-ktiv“ mitsamt seinen Freunden den Heimatschutzkommandos in Hamburg, Leipzig, Bonn, München und jüngst in Marburg in nichts nach, wenn es gilt, sich gegen ideologiekritische Zumutungen zu wehren.

Dagegen gilt es Standards zu setzen: Wir werden uns nicht daran hindern lassen, in Jena Vorträge zu veranstalten, die den linken Konsens, der schon immer ein zutiefst deutscher war, kritisieren. Justus Wertmüller wird in Kürze ein zweites Mal sprechen. Andere werden ihm folgen.

Weiteres dazu in den nächsten Tagen unter http://associationpdt.wordpress.com.

Association Pomme de Terre

Jena, 4. Juli 2011


* Vgl. zum Vorstehenden die Mitschrift der StuRa-Sitzung vom 8. Februar 2011 unter:
http://www.stura.uni-jena.de/wp-content/uploads/file/protokolle/gremiumssitzungen/2011/2011-02-08 – Mitschrift.pdf

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