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Vortrag am 29. Juni // updated

Juni 27, 2011

Karriere und Engagement. Studium und Ehrenamt.

Der doppelte Justus

Aus dem Tagebuch einer ambitionierten Nachwuchsfunktionärin: Justus ist ein Scheißkerl und muss weg, weil er es einem anderen Justus ermöglicht hat, im Februar öffentlich meine Kameradin als Gesinnungsschnüfflerin und Denunziantin anzugreifen, ohne sich danach bei mir und meinen KameradInnen zu entschuldigen. Aber wie formuliere ich das korrekt?

Man nehme ein paar Substantive aus der Positivliste: Vertrauen, Zusammenarbeit, Zugehörigkeitsgefühl und ein paar prima Adjektive: vertrauensbasiert, kollegial, konstruktiv. Das verrührt man mit persönlichen Betroffenheiten: „Ich finde es nicht länger tragbar“, „Für mich ist es ein endgültiges No-Go“, „Mir fehlt somit jede Grundlage einer weiteren…“. Fertig ist ein Sprachwerk deutscher Gemeinschaftlichkeit:

„Justus hat für mich das Vertrauen und die Bereitschaft zu konstruktiver Zusammenarbeit und Kommunikation mehr als einmal mit den Füßen getreten. Ich finde es nicht länger tragbar, einen Menschen als Referenten des StuRa zu haben, der nicht im geringsten an Zusammenarbeit mit dem Gremium und an korrekter Darstellung von Entscheidungen des Gremiums interessiert ist. Der es nicht für notwendig hält, falsche und beleidigende Darstellungen und Behauptungen gegenüber dem StuRa aus dem Weg zu räumen, dem es an Kollegialität und Zugehörigkeitsgefühl gegenüber den Gremium, welchem er angehört, fehlt. Den es in keinster Weise kümmert wie die Innen- und Außendarstellung des StuRa aussieht und der nicht den Wert darauf legt darauf positiv einzuwirken. Für mich ist es ein endgültiges No-Go, wenn sich ein Mitglied des Gremiums sich diesem gegenüber auf eine solche Weise verhält. Mir fehlt somit jegliche Grundlage einer weiteren vertrauensbasierten, kollegialen und konstruktiven Zusammenarbeit.“ (Alle Fehler im Original)

Die Kameradin, die das zu verantworten hat, heißt Stephanie Borck und sitzt im Vorstand des StuRa der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das Zitat stammt aus einem im Mai eingebrachten Antrag, mit dem sie die Abwahl des Referenten gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit forderte, weil dieser für die Einladung von Justus Wertmüller zum Thema „Islamophobie“ mitverantwortlich gewesen sein soll. Dass diese so genannte „Mitverantwortung“ allenfalls in der Weitergabe unserer Finanzierungsanfrage an den StuRa bestand, wird dabei wider besseres Wissen ignoriert. Nun ist Stephanie Borck, wie alle ihres Schlages, wahrhaft keine sture Funktionärin, die ihren Machthunger und ihre Rachsucht in routiniertem Denunziantendeutsch vorträgt, sondern eine engagierte, kreative und witzige Kommilitonin. Und wenn sich so eine Stephanie mit der Carola und dem Marcel zu einer Wahlliste zusammenschließt, heißt das „Stur-A-ktiv“ und verströmt den ganzen angesäuerten Charme einer Neuen Linken aus der alten Bundesrepublik der 70er und 80er Jahre. Solche Aktivisten lieben Gremien und Pöstchen, sie schreiben mit Vorliebe Anträge, Aufrufe und ellenlange Protokolle, sie spielen Bundestag im StuRa und wissen genau, worauf bei der Auswahl loyalen Personals zu achten ist. Sie erproben in ihrer Rolle als Vorstand des Jenenser StuRas schon einmal, was es später heißt, Verantwortung zu tragen. Verantwortung über Inhalte: Kein Rederecht für Justus Wertmüller wegen verfassungswidriger, gar menschenfeindlicher Positionen (Antrag von Carola Wlodarski-Simsek im Januar). Verantwortung, ja Wachsamkeit, gegenüber möglichen Abweichlern: Abwahlantrag gegen einen „unkollegialen“ Referenten (Stephanie Borck). Man nennt das Engagement und lässt es sich zur Sicherheit zertifizieren, für den Lebenslauf, der dereinst jeder Bewerbung als Empfehlung für vielseitige Verwendbarkeit beilie-gen wird. Es mag Stur-A-ktiv vorerst gelungen sein, den – nun ehemaligen – Referenten gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit mundtot zu machen. Bei uns wird das nicht gelingen und Justus Wertmüller wird in Jena so oft öffentlich sprechen, wie es nötig ist!

Das Agieren dieses Politbüros ist uns Anlass, ehrenamtliches studentisches Engagement in Jena und anderswo zu hinterfragen. Warum wird der, soziales oder gesellschaftliches Engagement genannte, Konformismus von Studenten nicht nur zunehmend von Unileitungen und späteren Arbeitgebern eingefordert, sondern auch so willfährig und gläubig bedient? Warum gibt es bei Leuten von Mitte 20 noch nicht einmal die „instinktive“ Neigung, genau dort nicht mitzumachen, wo unser Haus Deutschland wie ein Mann zusammensteht? Ist es nicht eine Frage der Selbstachtung, aus dem „Stur-A-ktiv“ Deutschland auszutreten, dieser Burschen- und Mädelschaft von 15 bis 95, in der „vertrauensbasiert“, „kollegial“ und „konstruktiv“ mitzuarbeiten Ehrensache ist? Es ist Zeit, jede – Zugehörigkeitsgefühl genannte – Erpressung zum bedingungslosen Mitmachen in studentischen Gremien für Nachwuchspolitiker, die kein Mensch braucht, öffentlich zu denunzieren. Was sich im Jenenser StuRa als Mitmachagentur und Zensurbehörde häuslich eingerichtet hat, ist der lokale Ausdruck einer selbstverständlich positiven deutschen Staatsbürgermoral, die sich freiwillig gleichgeschaltet auf die Suche nach Kameradenschweinen macht.

Vortrag und Diskussion mit Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas)

26.06.2011 Universität Jena, Hörsaal 4 // 19 Uhr

Die Veranstaltung wurde auf Mittwoch, den 13. Juli 2011 verschoben.

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